Hefen – zwischen Blutvergiftung und Biergenuss
Die meisten Menschen denken bei Hefen an Brot, Bier oder Wein. Verantwortlich dafür ist Saccharomyces cerevisiae, auch bekannt als Bäcker- oder Bierhefe. Sie wird seit Jahrtausenden genutzt, um Zucker in Alkohol und Kohlendioxid umzuwandeln und macht dadurch Teig locker und Getränke berauschend.
Doch der mikroskopisch kleine Einzeller ist nicht nur ein kulinarischer Liebling – er ist auch Modellorganismus in der Zellbiologie, hat zur Aufklärung des Zellzyklus beigetragen und war 1996 das erste vollständig sequenzierte eukaryotische Genom. In der Biotechnologie produziert sie Enzyme, Vitamine und Medikamente wie Insulin.
So nützlich Hefen im Alltag sind – einige Vertreter können auch als Krankheitserreger eine Rolle spielen. Die Gattung Candida gehört zur normalen Mikroflora des Menschen, kann aber bei geschwächtem Immunsystem krankmachen. Candida albicans ist häufiger Verursacher von Hefepilzinfektionen wie Mundsoor oder vaginalen Infektionen.
Wirklich ernst kann es bei Candida auris werden. Seit ihrer Entdeckung 2009 sorgt diese Hefe weltweit für Aufsehen. Sie ist resistent gegen viele Antimykotika, überlebt lange auf Oberflächen und ist schwer zu diagnostizieren. In Kliniken kann sie zu schwer behandelbaren, invasiven Infektionen führen – etwa Sepsis – mit hoher Sterblichkeit.
Im Alltag sind Hefen für gesunde Menschen meist unproblematisch. Der Verzehr von Hefen, auch von Candida-Arten, gilt als unbedenklich. Hefezellen werden durch die Magensäure abgetötet und stellen bei gesunden Menschen kein Infektionsrisiko dar.
Hefen sind ein Paradebeispiel für die Vielseitigkeit von Mikroorganismen. In der Küche nützlich, im Krankenhaus potenziell lebensgefährlich. Ein Grund mehr, diesen Keim des Monats mit Respekt – und einem kühlen Bier – zu würdigen.